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Geklaute m&m’s

Die Untertasse mit dem Kaffeerand von gestern,
der Sommer, der sich in uns goss bis wir zu schwer

zum Weitermachen waren. Immer so beschäftigt
mit der Möglichkeit einer Balance

weil der Stillstand der Linie die einzige
Konstante war in unserem Sinne.

Der Zitronenkuchen von Netto und die Kassiererin
im Gleichgewicht eines Nachmittags

und die Poesie dieses Gefühls
nennen wir Glück

alles andere ist Spekulation.

Schulterblatt

So wie Ihr mit Euren Kinderwagen,
mit Euren erregenden Berufen, mit Eurem
Fachwissen und – Appetit

den Kreislauf des Lebens beweist,
so wollte man – schaffte man es zu entkommen –
einmal nur Alejandra Pizarnik lesen:

»Als würde einem bei der einzigen Sache Recht gegeben,
bei der man darum bat, Recht zu bekommen.«

King without legs

Wie eine Plastiktüte zwischen Ästen
von Sonne zerrissen, von Blässe
berührt, in einer Krone verhangen,
ein Werk ein Leben nicht –.

So bin ich menschlich?
Oder bin ich entfallen
diesem Gedächtnis gravitätisch
gemeinter Ökonomie?

Eiswelle

Wer sich jemals gefragt,
was mit den Enthusiasten von damals,
die es nicht geschafft haben
geschehen ist:

hier bin ich.

Wer sich jemals gefragt,
wo sie nur hin, die ganzen
“Haare so” , “Haare so” – Motive

von damals: sie sind ab.

Abgeschnitten von den Fotos
auf denen sie mit blauen
oder schwarzen Füßen geritten kamen
– ins Tal wo die Beweise warteten.

Abgeschnitten, wie solche von der Außenwelt,
die den Gletscher kommen hörten,
wegen der Aufnahme
aber trotzdem stehenblieben:

seht sie an.

Seht sie an – ihre Gewalt
Orgie ohne Kraft. Ohne, dass sie vom eis berührt
worden wären, brachen sie los

in unser Bilder. Ihre Bewegungen,
mäandrischer Fuckshit, wir aber stehen noch
stehen noch. Wie ein Funkmast
neben einer gigantischen Eiszunge

die nicht spricht.

Und hier

meine Seele kontinent wie das linke
oder längere bein des Neubauten Symbols

meine Seele gebündelte Zeit.

Gedichte sind Wangen
meiner Frau und Erdnussflips

auf dem Teppichboden der Tatsachen
zurückgeblieben nach einer Abschiedsfeier

von der man nur hört, dass sie
wunderschön gewesen sei.

Durch Glasnudeln geschaute Hitze

um dich, entstiegen den Verträgen Hong Kong Islands
99° um jeden Preis
dem Auslaufen der Luft –
Linie langer Gerüche und Geschichte nur um dich
gebaute Superlative wuchernd gegen das Entstehen
der Moose auf den Tafeln der Hochgeschwindigkeit
und die Beschlüsse der Leuchtreklame
gegen – über – allem – blinken ein Versprechen
doch auch diese Sprache der
gekauften Lichter
reicht nicht hin zu mir, denn ich
ununterbrochen
in Gedanken lege meine Hand auf dein
rechtes, rechtes Herz und schwöre
nie wieder loszulassen.

Nagellack

Keusch wie ein warmer Wind
berührte deine Farbe
mich – als wie mit Spiritus ich trug
auf Spiegelbilder und Marien
(um nur von dir
erfüllt vorhanden sein zu können)
den Umriss eines Lebens auf.

Manicure, daneben.

Manipulierte Gerüche
des Glücks, Aroma der Verweigerung.

Wenn ich sie schnitt – schneiden ließ
von Dir, ich schaute dabei
das schmale Fenster zugewucherter
Efeu-Skelette und Tauben, die
die Hitze der Luft mit ihren Milben: fedrige Pollen
aus Ansteckung verließen gegen Sommer,
gegen Ende.

Der schneidige Halbmond eines Herbstes,
den wir so sehr und ca.
10 mal gefühlt
in meiner Rechten gegen
die zurückgelassenen
Gerüche der Tiere der Luft des Hinterhauses
geworfen haben.