ich fand es immer schon unangenehm. eigentlich alles. die warterei.

das herz eines penners
den geist eines firmengründers
in der hostentasche, die ich so noch nicht bezahlt.

ich fand sie auf der straße eines nachts
zusammen mit einem ganzen leben.

ich zog sie an und fand
ich könnte gut aussehen jetzt: ab jetzt
mit schuhen, die mich tragen
würden, aber so?

und wie immer nur die wichtigen dinge
an stellen, die dafür nicht vorgesehen.

manchmal aber, wenn ich sie sehe
die obdachlosen mit ihren zähnen schwarz vor alkohol
das gefühl sie zu verleumden, weil ich
nicht wie sie, auch auf der straße lebe.

der hund und die bougainvillea.

einen moment sein
diesen einen aufgestellt vor dir
und ein schirm unter dem einbruch dieser hitze.

berührend dort, wo wir uns unterscheiden, weiss ich es
sobald nur dein hinunterreichen gilt:

mein fell habe ich erdacht.
mein verlangen habe ich begonnen
an einem tag, der nicht wiederkehrt;
der mir nicht einfällt so zu tun
als bräuchte ich mehr.

als jetzt aus dieser hitze
heraus gegen das aufkommen der vorstellung
eines geringen gottes widerstehen
der flöhe auf dieses herz gestreut.

und dass ein neuer name werde dir zur feier.
und mit der ungereimtheit
dieser aufgerichteten versuche jetzt
aus tausend mündern dich
mein rosa-rot anfeuern sehen –!

diesen moment sein, diesen einen
sich nicht befähigt fühlen
wie deiner farbe fieber haben.

über dem meeresspiegel sein
darum liebe ich dich.

Leichensammler – So etwas wie ein Maßstab

Juan Carlos Onetti ist vielleicht der größte Schriftsteller aller Zeiten. Ein writer’s writer wie man so sagt, denn die große Anerkennung des Publikums ist ihm weitesgehend verwehrt geblieben. Um so mehr bewundert ihn jeder Südamerikaner, der sich jemals mit dem Schreiben auseinandergesetzt hat. Juan Carlos Onetti erzeugt Sätze, die so einzigartig, so düster, so neu sind, dass man nach jeder zweiten Seite das Buch erschöpft beiseite legen muss.

Nie hat es einen schöneren, einen traurigeren, das Glück und die Bestimmungen des Menschseins ablehnenderen Schriftsteller gegeben. Durs Grünbein nennt ihn »den großen monolithischen Meister des 20. Jahhunderts neben Faulkner und Kafka.« Zurecht.

Suhrkamp, 280 Seiten.

endgültiger als

die werbung, die verworfen wurde.
aus toten städten / blühende bedürfnisse

bestehend aus

pornographie und wäschewaschen / roch
unser versagen selbst – jetzt noch frischer.

und noch in farbe welken vorder –
gründe die sich übereinander legen:

plakate von visionen fett

die butterbrotwelt deines vaters and i
have killed a man. a man who looked like me.

Nagellack

Keusch wie ein warmer Wind
berührte deine Farbe
mich – als wie mit Spiritus ich trug
auf Spiegelbilder und Marien
(um nur von dir
erfüllt vorhanden sein zu können)
den Umriss eines Lebens auf.

bordeaux gewinnt

und wie ein licht
mit wackelkontakt mein herz.

als ich gekonnt / hätte zumindest
gekauft uns einen regenschirm für die
scheiss träume die herab.

auf uns als wir / von bremsen bedeckt
den pinien folgen wollten

über uns die wolken
———-    kopierten das meer.

die gegenwart verspätet sich

und warten lohnt die säle nicht.
was wurde wird – ab jetzt nur noch was bleibt.

prophet – prophit / profet – profit und wenn
sind rechtschreibfehler dieser art nur
ethisch kraft- oder
ranglose
symbole eines
einzelnen bedürfnisses nach anerkennung?

sind jäger
naturliebhaber doch?

gott ist kein händler
sagt es mir – eigentlich immer
dann, wenn meine sentimentalität mir verhunzt, was ich
hätte gegeben für die stelle beispielsweise

rechts von brechts
überdauerung zu sein.

als ich

durs grünbein einen roten plastikhund verkaufte.
die gäste draussen / eines sponsors in kultur
erhörten, was der vorstand sich zu sagen hatte.

die nacht war kühl und catering und
ausserordentlich das leben. als er allein
im laden koons, den teuren trash gelassen sah.

ich fragte ihn ob er.. und einmal nur
so ausserordentlich / war ich
verlegen und mein herz gepocht – als kind
bei toni schumacher.

rezepte

für den modernen menschen eine zumutung
für den anderen rosinen. die zäune
die uns zu nachbarn wollten sind aus draht
geblieben – entschlossenheit das wesen der natur.

wäre wohlstand
die spirituelle seite des geldes, wohin würde
man ausweichen?
es wäre wie das auto des vaters, mit dem
– fahren nur im kreis.

hunger sucht heimat

mit der sehnsucht eines flüchtlings.
ohne anfang sich
endlich fressend in den restaurants, die sein exil
ausgekostet.
die folklore, die ihm suggerieren
wollte, er wäre am ende geographisch
wirklicher und gehöre hier hin.

möglicherweise fertig
woanders
wo er nie war, ausser in der erinnerung, die
urbaner ist als sein wohlsein.

der wunsch minimalist zu sein
– klappt nicht, darum
möglicherweise weiter: völlig, aber
wer ist das nicht?
exilante gefühle, exellente gefühle.
irgendwas
behält zwischenzeitlich jeder.

deutsche liebe

gelehrt. gewollt
im grunde aber
was anderes gewollt.
reformhausleidenschaft
das gegenteil von zeit
ist geld ist arbeit –
nehmer rechte kastrieren
meiner umgebung mich
meiner frau
meiner sprache, ec-karte, geduld
meiner tat die mir –
die mir was?
verschiedene horizonte eines
himmels, der stürzt wie ich ihn
ansehe
in sich zusammen.
liegt als ein abgeschnittener sack
wie übrig geblieben in einer schale
gewölbt aus dem wunder der erde
und nackt wie ein ganzer tag.

feigenbäume / porzellangelenk

ein fuß vor den anderen & palliativ – gesetzt
kein vorwärts kommen, kein zurück
des gaberechts, das grün von feigenbäumen.
der glanz somatischer keramik
krematorisch unbrauchbar
gemacht und
grün wie ein wurf ins weitere.
das wunder
moduliert, verworfen, weggeworfen danach
danach gesucht.
die wunde wieder
gesucht im aufguß dunkler feigenblätter
– glühend gegen das gelenk –
gehalten, weil jedes wunder im anfang
seine wunde hat.
zum einen zumindest.
zum anderen aber
vielleicht weil feigenbäume / porzellangelenk
nicht allein in meinem leben
gefehlt hätten, wäre da
nicht meine schöne frau gewesen.

Sich ununterbrochen bedroht fühlen hier

ein Land in dem das angenehmste noch der Herbst,
die Infrastruktur.

Hier leben:
eine biographische Liquorpunktion, die besagt
mein hartes Nervenwasser usw.

Wäre die Zeit die man braucht hier nur so zart
wie nur die Zeit, die man hat in einem Bus
der noch nicht angekommen – ist

meine Wirbelsäule gegen
die Gerüste des Hauptbahnhofs wie eine Birke
gestemmt gegen Stahl u. lächerlich.

fuckface

was es heisst den freien fall zu ertragen
den blick aufs körbchen dabei
das schlimmste und am schwierigsten wird sein
die stürzenden aufzufangen.
sobald der metabolismus den radikalismus
erstmal endgültig ersetzt
hat und die grammatik
nicht mehr dem aussehen desjenigen
enspräche, der spricht.
wogegen sollte man
sich noch – von da an –
wird sich keiner wehren.

enough

«eigentlich hatte sie
ausser ihm die haare zur seite zu kämmen

nichts gesagt.»

wenn ich einen roman
geschrieben hätte, ich wüsste

nicht ob diesem anfang – oder ende noch
etwas hinzuzufügen wäre.