Monthly archives of “October 2016

Schulterblatt

So wie Ihr mit Euren Kinderwagen,
mit Euren erregenden Berufen, mit Eurem
Fachwissen und – Appetit

den Kreislauf des Lebens beweist,
so wollte man – schaffte man es zu entkommen –
einmal nur Alejandra Pizarnik lesen:

»Als würde einem bei der einzigen Sache Recht gegeben,
bei der man darum bat, Recht zu bekommen.«

King without legs

Wie eine Plastiktüte zwischen Ästen
von Sonne zerrissen, von Blässe
berührt, in einer Krone verhangen,
ein Werk ein Leben nicht –.

So bin ich menschlich?
Oder bin ich entfallen
diesem Gedächtnis gravitätisch
gemeinter Ökonomie?

FBM 2016 & Ein kurzer Blick auf das zurückliegende Jahr.

Noch knapp zwei Wochen und es geht wieder zur Frankfurter Buchmesse. Freitag Abend die Preisverleihung der Hotlist 2016 und anschließend die Party der Independents im Literaturhaus Frankfurt. Danach hoffentlich etwas Schlaf in einem der letzten bezahlbaren Zimmer, die sich an diesem Wochenende in Frankfurt (Bahnhofsgegend) noch finden ließen. Samstag den ganzen Tag auf der Messe. Besuchertag. Endlich alle duotincta-Kollegen wiedersehen. Kaffee trinken. Bifi essen. Rumstehen. Flanieren. Noch mehr Kaffee trinken. Blogger, Autoren, Leser, Verleger, Lektoren, Übersetzer, Buchhändler und alle anderen Literaturinteressierten treffen. Am Abend wieder zum Bahnhof. Noch etwas essen. Im Nachtzug dann zurück nach Berlin.

img_1584Vor einem Jahr habe ich dort zum ersten Mal alle Verantwortlichen des duotincta Verlags getroffen. Seitdem ist viel passiert. nathanroad.rec wurde veröffentlicht. Wir hatten Lesungen in Leipzig, Berlin, Tübingen, Kühlungsborn und auf Flux.FM. Ich habe in den letzten Monaten miterleben dürfen, was es eigentlich bedeutet einen unabhängigen Verlag aufzubauen. Die unglaubliche Arbeit, die damit verbunden ist. Der Enthusiasmus meiner drei Verleger, die mit wenigen Mitteln so viel bewegen. Die ihren Autoren auf Augenhöhe begegnen. Ihnen spät Nachts noch zuhören. Mit ihnen in Neukölln im Azzam essen gehen. Eine Lesereihe in Berlin im Klub der Republik etablieren. Vor allem aber: sich immer wieder offen für schwierige Texte zeigen. Vielen Dank an alle für dieses gute Jahr!

Andere Stimmen, andere Räume – Schlingpflanzen Realismus

So oft schon an seinen Büchern vorbeigegangen aber immer gab es da einen andere Schriftsteller, der gerade wichtiger schien. Jetzt also, mit 39, endlich Capotes Erstlingswerk und gleich diese unerhörte Stimme! Lyrisch, mystisch, vor allem aber: unvorhersehbar. Diese exzentrische, wulstige Prosa, in der überall Libellen surren und Flieder wuchert. Wundervoll. Wundervoll.

Zu einer Zeit, als die Literaturwelt sich großflächig auf die sprachliche Knappheit eines Hemingways geeinigt hatte, wagt dieser junge Schriftsteller eine tonliche Fülle, eine Halluzination, wie sie nur wenige über zwanzig Seiten durchhalten. Mit Charakteren, die einen bis auf die Straße verfolgen und mit jeder Seite eine undurchdringlichere Welt.

Dank der schlicht-schönen Pocketreihe des Kein & Aber Verlags mit ihren eingefärbten Buchrändern, über die ich mich jedes Mal wieder freue, habe ich Truman Capote und seine von allem losgelöste Sprache endlich kennen gelernt. Endlich. Einzigartig.

Kein & Aber, 256 Seiten.