Monthly archives of “July 2016

Eiswelle

Wer sich jemals gefragt,
was mit den Enthusiasten von damals,
die es nicht geschafft haben
geschehen ist:

hier bin ich.

Wer sich jemals gefragt,
wo sie nur hin, die ganzen
“Haare so” , “Haare so” – Motive

von damals: sie sind ab.

Abgeschnitten von den Fotos
auf denen sie mit blauen
oder schwarzen Füßen geritten kamen
– ins Tal wo die Beweise warteten.

Abgeschnitten, wie solche von der Außenwelt,
die den Gletscher kommen hörten,
wegen der Aufnahme
aber trotzdem stehenblieben:

seht sie an.

Seht sie an – ihre Gewalt
Orgie ohne Kraft. Ohne, dass sie vom eis berührt
worden wären, brachen sie los

in unser Bilder. Ihre Bewegungen,
mäandrischer Fuckshit, wir aber stehen noch
stehen noch. Wie ein Funkmast
neben einer gigantischen Eiszunge

die nicht spricht.

2666 – Eine fantastische Unverschämtheit

Was macht dieses Buch so bemerkenswert? Roberto Bolaño wagt sich mit seinem Opus Magnum hinaus in literarisches Niemansland.  An Orte, wo bisher schreibend vor ihm niemand hingekommen ist. Dabei kann man beobachten, wie er mit jedem Einfall souveräner untergeht. Wie grandios er sich an seinem eigenen Versuch verhebt, während er Dinge wagt, die vor ihm so noch keiner gewagt hat. Dass sein Buch dabei auseinanderfliesst, dass er dabei scheitert, macht das Buch möglicherweise noch besser. Ein Autor, der Literatur als Wagnis versteht und vor dem weltumspannenden Werk nicht zurückschreckt.

Fischer, 1200 Seiten.